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Leichen im Keller

Der Schauspieler, Chansonnier und Autor Arnd Rühlmann genießt in seiner Bamberger Heimat den mehr oder weniger schmeichelhaften Ruf des „Gruselmeisters“, ist er doch der Leiter der vielleicht langlebigsten deutschen Lesungsreihe „Leichen im Keller – mörderische Geschichten mit Arnd Rühlmann und Gästen“.


Seit November 1999 erschreckt und erheitert er im spinnwebendurchwogten Kellergwölbe des „Club Kaulberg“ alle 14 Tage sonntags das Publikum mit makabren, unheimlichen und satirischen Texten (mit einer gelegentlichen Prise Erotik) zu so illustren Themen wie „Die Pärchenlüge“, „Das Grauen im Grünen“ oder „Sexbomben und andere Massenvernichtungswaffen“. 

Die Mischung aus Literatur, Spannung und hinterhältigem Humor hat in der Domstadt mittlerweile Kultstatus unter den Fans und wurde 2010 auch über die Region hinaus bekannt: zum 10jährigen Jubiläum im November veranstaltete Rühlmann gemeinsam mit dem E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg und dem Hübscher Buch & Medienhaus die „längste Krimi-Lesung der Welt“, einen 72stündigen Lesungsmarathon mit vielen illustren Gästen aus der Theater- und Kleinkunstszene, bei dem er insgesamt 68 Stunden selbst auf der Bühne bestritt.

Doch auch nach all dieser Zeit ist noch lange nicht Schluss. Weiterhin serviert Rühlmann seinem geneigten Publikum regelmäßig eine würzige Mischung aus kriminalistischer und phantastischer Literatur von bekannten und in Vergessenheit geratenen Autoren, vom Klassiker bis zum Geheimtipp, sowie immer wieder auch haarsträubende Texte aus eigener Feder. 

Leichen im Keller auch auf Facebook: 
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Was bisher geschah

Manchmal kann so eine Schnapsidee schon sehr langwierige Folgen tragen. Jedenfalls hatte ich gut einen im Tee, als ich eines Abends im Herbst 1999 an der Theke des (damals ziemlich neuen) Restaurants „Tapas“ saß und brabbelte: „Ich würde echt gerne mehr Lesungen machen.“
Einige Tage vorher hatte ich bei der Eröffnung einer Fotoausstellung von einigen Freunden gelesen. Die Ausstellung trug den Titel „Verfall“, ein reizendes Thema, und ich las Todesanzeigen, Comics, Songtexte von Pur und Mindesthaltbarkeitsdaten von Kaviardosen. Mir bereitete das großes Vergnügen, und den fünf oder sechs Leuten im Publikum auch. So manifestierte sich der Gedanke in meinem Hirn: davon will ich mehr! Und an diesem Abend am Tresen sprach ich ihn erstmals laut aus.Mein Freund Heinz, der zu dieser Zeit als Barkeeper dort arbeitete, zapfte gerade Bier und fragte nebenbei: „Was willst Du denn lesen?“ „Keine Ahnung, am liebsten Gruselgeschichten. Und Krimis. Und so satirisches Zeugs.“ „Dann mach das doch hier. In der Kellerbar unten sollen demnächst eh ein paar Veranstaltungen stattfinden. Ich frag mal den Chef.“
Zwei Tage später hatte ich die Zusage, ab November im Zweiwochenrhythmus Lesungen im Kellergewölbe abhalten zu dürfen. Erstmal für drei Monate, dann würden wir weitersehen.
Da das ein guter Grund war, trank ich wieder einen über den Durst. (Ja, diese Geschichte beginnt mit einer Menge Alkohol...) Und just als ich genug Promille im Blut hatte, um mich richtig mutig zu fühlen, entdeckte ich Rudi Sopper von der Buchhandlung Collibri an einem der Tische. Ich sprach ihn an und erzählte von unserer Idee. Irgendwie muss meine Begeisterung ihn wohl angesteckt haben, denn er sagte mir spontan zu, nicht nur die Lesungen zu unterstützen, sondern unsere erste Vorstellung auch noch zur Eröffnungsveranstaltung der damaligen „Herbstlese“ zu machen.
Am 07.11.99 war der Gewölbekeller zum Bersten voller Leute. Und ein sehr nervöser, im Inneren selbst vor Angst zitternder Arnd betrat die Bühne und begrüßte das Publikum erstmals mit dem Satz: „Einen unangenehmen Abend, sehr geehrte An- und Verwesende!“
Und das tat ich in den folgenden mehr als 150 Lesungen bis heute. Immer die gleiche Begrüßung, aber die Leute kamen trotzdem. Wenigstens wechselten die Themen: „Frauen und Grauen“, „Der Horror in öffentlichen Verkehrsmitteln“, „Singles zwischen Monotonie und Masturbation“, „Ärzte ohne (moralische) Grenzen“, um nur einige zu nennen. Tolle Gäste hatte ich immer wieder an meiner Seite. Bei den Lesungen wurde gesungen, gezaubert, gekocht und Improtheater gespielt. Ich bekam Leserbriefe im Fränkischen Tag, in denen ich als „abartig“ und „zynisch“ bezeichnet wurde, und in denen man mich warnte: „Vom schwarzen Humor ist es of nur ein kleiner Schritt zur schwarzen Magie!“ Ich gewann Publikum, verlor es wieder und bekam ein neues, habe diverse Pächter im Keller kommen und gehen sehen, ich war dabei als der „Club Kaulberg“ aus der Taufe gehoben wurde. Ich durfte gelegentlich meine Leichen mal aus dem Keller holen und bei Lesungen im Umland auspacken, sogar bis nach Hannover und ins Rahmenprogramm der Bayerischen Theatertage in Nürnberg haben sie es geschafft. Ich habe mit Heidi Friedrich im Keller aus unserem ersten gemeinsamen Buch gelesen, in das ich all meine Leichenerfahrungen einbringen konnte.
Zum zehnjährigen Jubiläum im November 2009 haben wir dann den Alptraum wahrwerden lassen, und veranstalteten gemeinsam mit dem E.T.A.-Hoffmann-Theater und dem Hübscher Buch und Medienhaus die längste Krimi-Lesung der Welt. 72 Stunden lang mörderische Geschichten, gemeinsam mit vielen schrecklich wundervollen Kollegen, die zum größten Teil auch schon früher bei Lesungen gastiert hatten - ein Wahnsinnsunternehmen. Doch mit einem großartigen Team haben wir es geschafft!
Nun bin ich echt gespannt, was die nächsten 10 Jahre so bringen. Doch was auch immer das sein mag - vergessen Sie nicht, sich zu fürchten!

Club Kaulberg

Seit 2011 haben wir in Bamberg eine eigene Spielstätte!


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